|

Münzen und Münzbegriffe im Mittelalter (Teil 2)
Während im ersten Teil des Berichtes über das Münzwesen im Mittelalter münztechnische Begriffe und Bezeichnungen zu Materialien und Prägearten erläutert wurden, handelt der folgende Teil von den real geprägten Münzen.
Bis in das 19. Jahrhundert war das Münzwesen in Europa durch eine große Zersplitterung gekennzeichnet. Auch innerhalb des Deutsch-Römischen Reiches gab es durch eine Vielzahl von Kleinstaaten und Städten mit eigenem Münzrecht ein Gewirr von unterschiedlichen Münzen, die zudem durch unterschiedlichen Münzfuß und Bewertungen häufig nicht miteinander vergleichbar waren.
Erst ab 1871 ging man mit der Einführung der Mark als Einheitswährung im Deutschen Kaiserreich zu einer Vereinheitlichung des Münzwesens über, die bei gleichzeitiger Einführung des Dezimalsystems etwa 1873 abgeschlossen war.
Bereits in der Antike gab es unter den griechischen Stadtstaaten Vereinbarungen, durch einen gemeinsamen Münzfuß die Vergleichbarkeit der Währungen untereinander zu ermöglichen.
Um dem Münzchaos im Deutschen Reich zu begegnen, begann man im Spätmittelalter mit der Gründung von Münzvereinen.

1379 gründen die Hansestädte Lübeck, Hamburg, Lüneburg und Wismar den Wendischen Münzverein, dem sich später noch Rostock, Stralsund und Hannover anschließen. Auch Städte in Pommern, Mecklenburg und Holstein übernahmen Prägungen des Münzvereins, ohne selbst Mitglied zu sein, in Bremen, Göttingen und Höxter waren die Münzen gleichwertig anerkannt.
Der Wendische Münzverein prägte bis auf eine Ausnahme nur Silbermünzen, Hauptmünze war der Witten zu 4 Pfennig. Nach 1391 kamen der Dreiling, der Sechsling und der Blaffert hinzu, ab 1432 wurde der lübische Schilling und ab 1502 die lübische Mark geprägt. Einzige Goldmünze war der Lübecker Gulden, die aber als Hauptgoldmünze im gesamten Norden verbreitet war.
Nach dem Erlass der (3.) Augsburger Reichsmünzordnung im Jahr 1566 wurde der Wendische Münzverein 1569 aufgehoben.
In Süddeutschland gründeten die Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln und der Pfalz 1386 den Rheinischen Münzverein. Auch ihm traten später weitere Gebiete und Städte bei, so Jülich, Aachen, Dortmund, Münster, die Stadt Köln und das Bistum Speyer.
Der Rheinische Münzverein prägte neben Silbermünzen, z. B. den Albus als Gegenstück zu den norddeutschen Witten, auch einen Goldgulden, der dort zur wichtigsten Münze wurde.
Auch der Rheinische Münzverein zerfiel zur Mitte des 16. Jahrhunderts, jedoch blieb die Verbindung zwischen Kurmainz und Kurpfalz bis 1806 erhalten.
Als dritter Verbund entstand 1403 am Oberrhein der Rappenmünzbund, dem die Städte Basel, Freiburg, Breisach und Colmar sowie der Herzog von Österreich angehörten. Dieser Münzbund prägte nur Silbermünzen, der Hauptmünze Rappen folgte 1498 der Dicken, sowie in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert der Batzen und der Taler.
Dieser Münzverbund hatte aufgrund der Beteiligung Österreichs den längsten Bestand, er wurde erst 1584 aufgelöst.
Weitere Münzvereine bildeten sich noch in Schwaben (1423) und Franken (Fränkischer Kreis), diese jedoch erreichten nicht die Bedeutung der drei vorgenannten Münzvereine.
Die nachfolgende Auflistung erläutert die wichtigsten Münzen des Mittelalters, sie erfolgt in alphabetischer Reihenfolge und stellt keine Wertstufenordnung dar.
Albus: Silber; Hauptmünze des Rheinischen Münzvereins (für Norddeutschland s. Witten), Rauhgewicht 3,9 g / Feingewicht 3,4 g. Seit dem 14. Jahrhundert als Weiß-Groschen oder Weiß-Pfennig geprägt, 1 Albus = 24 Pfennig = 2 Schilling.
Ab dem 17. Jahrhundert wurde der Albus im Münzvergleich auch als Doppel-Kreuzer oder Halb-Batzen benannt.
Der Name stammt vom lat. "albus" = weiß, da die Münze wegen ihres relativ hohen Silbergehaltes ihre silbrig-weiße Farbe auch im Umlauf beibehielt.
Batzen: Silber; seit dem 15. Jahrhundert in Bern geprägt im Wert von 4 Kreuzer. Mit der Reichsmünzordnung von 1559 abgeschafft, wurden bis zum 17. Jahrhundert noch Halb-Batzen im Wert eines Albus aus Billon geprägt.
Der Name leitet sich vermutlich von seinem ersten Prägeort bzw. dessen Wappentier, dem Bätz (= Bären), ab. Im Hinblick auf die späteren (minderwertigen) Billon-Prägungen wird jedoch auch eine Herleitung des Namens im Sinne des abwertenden Begriffs "Drecksklumpen" angenommen.
Blaffert: Silber; Münze aus dünnem Silberblech, vom 14. bis 16. Jahrhundert geprägt, In Norddeutschland im Wert von zwei Pfennig, in Süddeutschland als Halb-Groschen.
Der Name kann von dem niederl. "blaf" = breit oder wegen seiner schlichten Prägung vom mittelniederdeutschen "blaff" = schlicht abgeleitet sein.
Denare: Silber; ursprünglich ab 200 v. Chr. eine der Hauptmünzen Roms.
Ab Ende des 8. Jahrhunderts Hauptmünze des Früh- und Hochmittelalters von 1,7 g. fein, aus einem Karlspfund Silber (ca. 408 g.) wurden 240 Denare geschlagen. Die Entwicklung der europäischen Pfennig-prägung ab dem 11. Jahrhundert orientierte sich in Gewicht und Feingehalt an dieser Münze, wodurch bis in das 15. Jahrhundert die Bezeichnungen Denare und Pfennig synonym verwendet wurde.
Der Name leitet sich von dem lat. "deni" (zehn) ab, da er mit 10 Assen (s. Unzen) bewertet wurde. Münzkürzel "d".
Dicken: Silber; ca. 9,5 g., Ende des 15. Jahrhunderts in Norddeutschland, Lothringen und der Schweiz geprägt im Wert von1/3 Taler. Wurde nur 40 Jahre geprägt.
Dukat: Gold; erstmals 1284 in Venedig mit 986/1000 fein (23 Karat und 8 Grän) als reine Goldmünze von 3,5 g. geprägt. In Norddeutschland im 14. Jahrhundert erstmalig in Lübeck geprägt.
Ab 1559 offizielle Reichsmünze, die letzte Prägung erfolgte im Jahr 1857.
Der Name entstand durch das in der Umschrift vorhandene lat. Wort ducatus / ital. Duca = Herzog bzw. Regierender. Da die Münze in Venedig in einem "Zecca" genannten Gebäude (vermutlich der Begriff für "Gießerei", der sich in der Bezeichnung "Zeche" für Bergwerke noch erhalten hat) geprägt wurde, wurde sie auch Zecchine genannt.
Groschen: Silber; Großmünze wie Albus und Schilling im Wert von 12 Pfennig. Im 14. Jahrhundert in Böhmen und Sachsen geprägt. Ab 1570 in Nord- und Mitteldeutschland als Gute Groschen zu 1/24 Taler sowie (dem leichteren) Mariengroschen zu 1/36 Taler, 1873 abgeschafft.
Der Name ist abgeleitet von lat. "grossus" = dick, groß.
Gulden: Gold; erstmals 1252 in Florenz geprägt. Im 13. Jahrhundert vorrangig in Süddeutschland und im Rheinland verbreitete Münze von 3,5 g im Wert von 240 Pfennig, später auch 2/3-Taler genannt. In Lübeck (s. auch Dukat) ab 1340 bis Mitte des 16. Jahrhunderts geprägt. Im Jahre 1876 außer Kraft gesetzt.
Der Name ist abgeleitet von "Gold / gül-den", Münzkürzel "fl" = Floren (Florenz).
Guldengroschen: Silber; Bezeichnung aus dem beginnenden 16. Jahrhundert für die Großsilbermünzen im Wert eines rheinischen Goldguldens, damals war die Bezeichnung Taler noch nicht im Gebrauch. Als Wertgrundlage war eine Gold-Silber-Relation von 1 g Feingold zu 10,82 g Feinsilber festgelegt.
Heller: Silber; um 1200 erstmals in (Schwäbisch) Hall geprägte Münze von 0,55 g (675 / 1000) im Wert von einem halben Pfennig. In Süddeutschland und im Rheinland in Umlauf gebracht, in manchen Regionen auch "Scherf" genannt. In großen Mengen geprägt, verringerte sich (wie beim Pfennig) der Edelmetallanteil stetig, ab Ende des 16. Jahrhundert nur noch in Kupfer geprägt. Bis zur Einführung der Mark im Deutschen Reich (1873) die kleinste Münzeinheit, auch Achtel-Kreuzer genannt.
Kreuzer: Silber; ab 1271 in Tirol als Groschenmünzen im Wert von 4 Pfennig geprägt. Im süddeutschen Raum, Österreich und in der Schweiz verbreitet, während in Norddeutschland der Groschen (im Wert von 12 Pfennig) die nächste Münze über dem Pfennig war. Mit der Reichsmünzordnung 1559 als Recheneinheit für den Wertvergleich von Münzen genutzt, 1873 abgeschafft.
Der Name stammt von dem auf der Vorderseite der Münze geprägten Doppel-kreuz, => Münzkürzel "x" oder "xr".
Mark: Silber; erstmalig 1502 in Lübeck für den Wendischen Münzverein geprägte Großmünze von 28,85 g (937,5/1000 fein) im Wert von 16 Schillingen oder 192 Pfennige, ab 1504 wurden auch halbe und viertel Markstücke geprägt. 2 Mark entsprachen einem Lübecker Goldgulden.
Ab 1861 als Einheitswährung in Deutschland eingeführt, um die Trennung zwischen der Taler-Zone im Norden und der Gulden-Zone im Süden aufzuheben.
Der Name leitet sich von dem Wort markieren = zeichnen ab und war eigentlich eine seit dem 11. Jahrhundert festgelegte Gewichtseinheit für ein halbes Karlspfund von ca. 234 g.
Pfennig: Silber; von dem in Rom von 200 v. Chr. bis 300 n. Chr. geprägten Denar abgeleitete Münze von ca. 1,5 bis 1,7 g, Grundmünze des Münzsystems im Deutschen Reich. Seit ca. 800 n. Chr. (auch in Haithabu) als erste umlaufende Münze geprägt, deren Silbergehalt bis 1500 auf 0,1 g abnahm.
Das Wort Pfennig stammt entweder von einem alten Wort für "Pfand" oder auch vom lat. pondus = Gewicht ab, da größere Geldbeträge häufig nicht gezählt, sondern abgewogen wurden. => Münzkürzel "d" von denare.
Rappen: Silber; Pfennigmünze im Oberrheinischen Rappenmünzbund von etwa 1425 bis 1585.
Der Name leitet sich von althochdtsch. "rapp" = dunkel (deshalb Rappe für ein dunkles Pferd) ab, da die Münzen aufgrund des zu anderen Münzen geringeren Silberanteils schnell schwarz anliefen. Eine andere Namensherkunft könnte auch von einem von den Grafen von Rappoltstein vor dem 14. Jahrhundert geprägten mittelalterlichen Pfennig abgeleitet werden.
Scherf: Silber; Kleinstmünze (s. Heller), im 16. Jahrhundert aus Kupfer auch in Lüneburg, Lübeck, Hamburg, Mecklenburg, Stettin und Erfurt geprägt, letzte Prägung 1777 in Lüneburg.
Das Wort Scherf entstand aus dem lat. "scripulus" = Steinchen, welches in das althochdtsch. Wort Scerpf gewandelt wurde.
Schilling: Silber; Großmünze wie Groschen und Albus im Wert von 12 Pfennig. Im 14. Jahrhundert im Gebiet des Deutschen Ordens im Gewicht von 1,67 g (bei ca. 1,4 g Silber) und ab 1432 im Wendischen Münzverein im Gewicht von 2,54 g geprägt. Der Lübecker Schilling wurde bis ins ausgehend 18. Jahrhundert geprägt, der Hamburger Schilling bis 1855 und in Mecklenburg bis 1866.
Der Name ist abgeleitet sich vom byzantinisch-lateinischem Wort "solidus" und war ursprünglich unter Karl dem Großen nach dem Karlspfund die zweitgrößte Gewichtseinheit. => Münzzeichen "sh"
Taler: Silber; als Guldengroschen von ca. 31 g. seit 1486 in Tirol und ab 1518 in Joachimsthal (Böhmen) geprägt. Ab 1622 galt der Taler in Lübeck und Hamburg zu 48 Schillinge, da eine Mark zu 16 Schilling galt, wurde der Taler auch zum 3-Mark-Stück.
Der Name leitet sich von den Prägeorten Tirol und Joachimsthal ab.
Witten: Silber; seit ca. 1340 erstmals vom Wendischen Münzverein geprägte Münze von 1,3 g (900/100 fein) im Wert von 4 Pfennig, auch Vierling genannt. Er entsprach dem Wert der englischen Münze Sterling, der im niederländischen und im Ostseeraum auch im Umlauf war. Der Witten verbreitete sich von Norddeutschland bis in den rheinisch-westfälischen Raum. Ab Ende des 15. Jahrhunderts wurde der Edelmetallanteil ständig verringert, so dass er im 18. Jahrhundert nur noch als 192. Teil des Reichstalers bewertet wurde. Die letzte Prägung erfolgte 1763 in Stralsund.
Der Name leitet sich ab von niederdtsch. "witt" = weiß und verwies darauf, dass die Münze aus gutem (reinen) Silber war.
Autor: St. Müller
|